Restauratorenbericht Schrank Biedermeier, Nussbaum massiv, um 1850

Seiten, Kranzteil und Sockel sind aus massivem Nussbaum gefertigt. In den Türfüllungen sind ein Stern aus Ahorn und Ebenholz und ein Blumenmotiv ebenfalls aus Ahorn eingelegt. Rückwand, Boden und Deckel aus Nadelholz. In der Mitteltraverse ist zudem ein Band aus Ahorn und Ebenholz sichtbar.

Der ganze Schrank ist zerlegbar in Seiten, Rückwand, Boden und Kranzteil.
Die Schilder sind messinggeprägt, nicht original aber entsprechen dem Stil. Der Schrank besitzt ein Schloss rechts, welches originaler Herkunft ist. Die Türe links lässt sich innen mit Hilfe einer Schrankfeder öffnen.

Stilistisch kann man diesen Schrank in die Zeit des Klassizismus, um 1800 - 1850 zuordnen. Die verwendeten Materialien, Nussbaum und Nadelholz sprechen für eine alpenländische Herkunft. Die Form des Kranzprofiles findet man oft an Möbeln in der Westschweiz und Südfrankreich um 1780 – 1800.

Zustand vor der Restaurierung

Dieser Schrank ist in den 70er oder 80er Jahren des letzten Jahrhunderts restauriert worden.

Wie es damals üblich war, verstand man unter Restaurieren eher Renovieren. Renovieren bedeutet, dass ein Möbel wieder wie neu aussehen muss.
So wurde dieser Schrank stark maschinell geschliffen. Gut sichtbar in den auf geschliffenen Wurmgängen in den Türen. In den Profilen sind die Wurmgänge noch mehrheitlich intakt. Es finden sich auch keine Spuren von altem Werkzeug. Die Seiten sind glatt und haben keine Merkmale mehr von der alten handwerklichen Verarbeitung. Viele Reste von Weissleim mussten entfernt werden. Die Rückwand, bestehend aus drei Teilen war in einem desolaten Zustand.

Für die Oberfläche wurde eine dicke Schicht Kunstharzlack verwendet, welche stark verbleicht und stumpf war. Die zahlreichen Wurmgänge wurden mit Hartwachs gefüllt.

Ausgeführte Arbeiten

Konstruktiv musste die Rückwand teilweise ersetzt werden. Das Holz war verzogen und eigentlich zu klein. Daher wurde eine Rückwand aus altem Holz eingepasst, welche nun vollständig schliesst.

Die bestehende Oberfläche musste vollständig entfernt werden. Die natürliche Alterung der Holzoberfläche musste erhalten und zusätzliche Kratzer vermieden werden. Deshalb haben wir auf Ablaugepaste verzichtet und mit flüssigem Ablaugemittel den Kunstharzlack vorsichtig abgewaschen.

Nach der Grundierung mit Schellack musste an verschiedenen Stellen mit Hartwachs Fehlstellen gefüllt und ausgebessert werden. Nach dem Schleifen mit Stahlwolle folgten zwei Aufträge mit Handmattierung. Als Schlussfinish wurde der Schrank mit einer Wachspolitur poliert.

Die bestehende Oberfläche innen haben wir lediglich gereinigt. Das Schloss und die Schilder wurden gereinigt und wieder verwendet.

Aarburg, 13. März 2017

Referenzen

Hier finden Sie diverse Referenzarbeiten

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